Wohnbauförderungs- und Baubewilligungsstatistik 2020

Neubau boomt, Förderung stagniert

Die Wohnbauförderungs- und Baubewilligungsstatistik 2020 weist mit 78.500 Baubewilligungen einen fortlaufenden Neubauboom aus. Die Wohnbauförderung ist mit rückläufigen Zahlen konfrontiert: 2,07 Milliarden Euro bedeuten -12% unter dem zehnjährigen Durchschnitt. Massive Sanierungsoffensive gefordert.

 

Der langjährige Trend, das Auseinanderdriften zwischen Wohnbauförderungen und Wohnungsproduktion, hat sich 2020 weiter fortgesetzt. Dies zeigen die Ergebnisse der aktuellen Wohnbauförderungsstatistik, die vom Fachverband der Stein- und keramischen Industrie alljährlich mit dem Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen (IIBW) erstellt wird.

Während trotz COVID-Lockdowns mit rund 78.500 baubewilligten Wohnungen einer der höchsten Werte der letzten Jahrzehnte erreicht wurde, wuchs die Wohnbauförderung im Vergleich zum Vorjahr nur um 4% und liegt um 12% unter dem Zehnjahres-Schnitt. Die hohen Bewilligungszahlen sind auch dem anhaltend starken Bevölkerungswachstum geschuldet.

Bei der Sanierungsförderung liegt das Volumen mit 470 Millionen Euro rund 43% unter dem Höchstwert von 2010. Die Sanierungsrate liegt zurzeit bei 1,5%, zur Erreichung der Klimaziele ist eine Verdoppelung notwendig.

Robert Schmid, Obmann des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie, weist hier auf die Hebelwirkung für den Klimaschutz hin: „Insbesondere Sanierungsförderungen tragen dazu bei, den Energieverbrauch im Gebäudesektor langfristig zu reduzieren und können somit ein wesentlicher Baustein zum Erreichen der Klimaziele sein“ und ergänzt weiter: „Die zur Verfügung gestellte Sanierungsförderung ist ein erster Schritt, nun braucht es auch eine Charmeoffensive, damit die Gelder abgeholt werden. Die Gesellschaft muss von der Notwendigkeit überzeugt sein“.

Wolfgang Amann, Studienautor und Geschäftsführer des IIBW, präsentiert die Hauptergebnisse der Wohnbauförderungsstatistik 2020 im Detail:

  • Neubauzahlen – der Boom geht weiter: 2020 wurden 78.500 Wohneinheiten (in neuen und bestehenden Gebäuden) baubewilligt. Eine auffallende Dynamik gab es bei den Eigenheimen: mit knapp 20.000 Baubewilligungen wurde der höchste Wert seit den frühen 1980er-Jahren erreicht. Auch Miet- und Eigentumswohnungen entwickelten sich positiv. Mit rund 20.000 bewilligten Mietwohnungen lag man 2020 deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, ebenso bei den Eigentumswohnungen mit etwa 22.500 baubewilligten Einheiten.

 

  • Neubauzahlen im Bundesländervergleich: Österreichweit gab es im vergangenen Jahr 7,0 Wohnungsbewilligungen pro 1.000 Einwohner (neue Wohnungen in neuen Wohngebäuden). An der Spitze liegen Wien (9,1), Vorarlberg (8,6) und die Steiermark (8,4).

 

  • Ausgaben der Wohnbauförderung: Mit 2,07 Milliarden Euro lagen die Förderausgaben um 12% unter dem zehnjährigen Durchschnitt und somit auf dem Niveau der frühen 1990er-Jahre.

 

  • Sanierungsförderung stagniert auf tiefem Niveau: Die Sanierungsförderung stagnierte 2020 auf dem niedrigen Niveau von rund 470 Millionen Euro. Im Vorjahresvergleich positiv entwickelte sich die Zahl der Förderungszusicherungen bei Eigenheimen (19.100) und im Geschoßwohnbau (40.000). Auch der Sanierungsscheck des Bundes mit Förderausgaben von 83 Millionen Euro trug begünstigend bei.

 

  • Förderungszusicherungen weiter rückläufig: In Summe gab es 2020 österreichweit 24.300 Förderungszusicherungen, davon 20.000 großvolumig und 4.300 bei Eigenheimen. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang um 5%, im zehnjährigen Durschnitt sogar ein Minus von 13%. Die Unterschiede in den Ländern sind hierbei nennenswert. In den östlichen Bundesländern Wien, Burgenland und Niederösterreich wurde die großvolumige Förderleistung 2020 ausgeweitet, während sie in anderen Ländern Einsparungen zum Opfer gefallen ist.

 

  • Förderungsdurchsatz bei Eigenheimen bei 20%: Das Verhältnis von Förderungszusicherungen zu Baubewilligungen lag zu Beginn der 2000er-Jahre noch bei 80-90% und ist mittlerweile bei Geschosswohnungen auf 50%, bei Eigenheimen gar auf 20% gesunken.

 

 

Thermische Sanierung – Beitrag für leistbares Wohnen und Klimaschutz

 

Abschließend weist Schmid nochmals auf die große Bedeutung von thermischer Sanierung, nicht nur im Klimaschutz, sondern auch für die Leistbarkeit von Wohnraum hin: „Der Ausstieg aus bestehenden Heizsystemen setzt nicht nur eine ausreichende Versorgung mit erneuerbaren Energien voraus, sondern ist natürlich auch mit Kosten verbunden. Sinnvoll wäre, vorher den energetischen Bedarf von Gebäuden zu optimieren. Denn jede nicht verbrauchte Energie ist ein Gewinn für den Klimaschutz“.